Benedikt Hipp
BODY UPGRADES | Opening: 16.03., 7-9 pm
Düsseldorf, 16.03.2018 - 21.04.2018
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Pressemitteilung
Der Körper ist ein zentrales und wiederkehrendes Thema in Benedikt Hipps Werk. In seinen Gemälden und dreidimensionalen Arbeiten setzt er sich mit Gewichtung von Körper und Geist, Ästhetik und Ethik sowie der politischen Dimension des Einzelnen auseinander. Er hinterfragt Konzepte und Auffassungen von Individualität und Identität, die in Zeiten des Self-Designs mehr und mehr steuerbare, kontrollierbare und austauschbare Parameter darstellen. Der Bezug auf die ikonografische Kraft von Objekten, philosophische Ansätze sowie Phänomene unsere Zeit, nehmen neben dem Einzelnen in Benedikt Hipps Arbeit zentrale Rollen ein.

BODY UPGRADES klingt zunächst wie der Name eines Fitnessstudios für Elektrische Muskel Stimulation (EMS). Verstand man den Körper vormals als eine Art Gefängnis der Seele, deren Beurteilung und Begutachtung nur Gott zugedacht war, so "wurde [heute] die Seele zur Summe der Beziehungen, in die der menschliche Körper in der Welt eintritt". (Boris Groys) Die Formung des Körpers und des Auftretens hat somit der Formung Seele den Rang abgelaufen. "BODY UPGRADES" könnte aber auch Möglichkeit gelesen werden, entgegen einer traditionellen Auffassung von Körper und Geist zu einer Neubewertung dieser zu kommen. In früheren Gemälden Benedikt Hipps, wie "Ein Körper ist schon mal etwas" (2007) oder "Leihaus" (2007), verwuchsen die Figuren, Körper, Fragmente oder Organe mit Formen und architektonischen Elementen und definierten durch und mit ihnen den sie umgebenden und zu bewohnenden Raum. Die ursprüngliche Wortbedeutung des Kultischen (hergeleitet aus colere, cultus) als Pflegen und Bebauen/Bewohnen eines Ortes ist für Hipps Werk eine konzeptuelle Basis. In seinen neuen Arbeiten löst sich dieser Raum, der oft bühnenartig oder als Lichtung in Erscheinung trat auf. So agieren zum Beispiel in den Gemälden mit dem Titel "Neonatal refractions" (2018) die Körper in einer isometrischen, nur durch Licht und Farbe definierten Umgebung, die an digitale Displays erinnert. Sie entziehen sich einer physiognomischen, geschlechtsspezifischen oder ethnischen Zuordnung. Der Titel "Neonatal refractions", wörtlich "neugeborene Lichtbrechungen" deutet einen fiktiven, posthumanistischen Ansatz an, den physikalischen Vorgang der Lichtbrechung zu erweitern um so durch dessen Veränderungen, neue Seinszustände oder Betrachtungsweisen zu denken. Die schichtartigen Wellen der Körper erinnern an sonografische Abtastungen, geologische Schichtungen, seismografische Aufzeichnungen, Messungen von Datenströmen und Informationen oder Darstellungen psychedelischer Zustände. Neonatal refractions, basiert konzeptuell auf der kulturellen Verschiebung körperlicher und geistiger Werte innerhalb unserer Gesellschaft. Vergleichbar verhält es sich mit seinen dreidimensionalen Arbeiten wie z.B. seiner Installation "The place to meet, the place to pray, the place to kiss and self X-ray", die im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigs-hafen 2015 zu sehen war. Während in dieser Arbeit der Ort, die Stätte und der Raum eine "Anwesenheit" und Schnittstelle zeigte, so zieht sich die neue Sound Installation "PEAR" (2018) fast gänzlich in das Innere des Betrachters zurück. Zu sehen ist eine übergroße, steinern wirkende Birne. Über Kopfhörer changiert eine mediationsartige Stimme zwischen innere Stimme und äußerer Suggestion. Geräusche irritieren die Propriozeption (Körpereigenempfindung) und führen zusammen mit der Stimme durch Fragen von Individualität, Synchronisierung und Selbstoptimierung. So erteilt die Stimme z.B. die Warnung: "You are not allowed to pick this fruit" und spielt damit, kulturhistorisch auf den Garten Enden an und die damit verbundenen Erkenntnis des Körper und dessen Sexualität.

Weitere Objekte mit dem Titel "enlarged chip implants (ancient recordings)" (2018) stellen auf ironische Weise vergrößere fiktive Human-Mikrochip Implantate da. Auf Aluminiumschau montierte Stein-gesichter und Abgüsse von Votivaugen zielen auf uraltes Kulturwissen und intuitives Körperwissen ab, die als implantierte "ancient recordings" überleben können.

Biografische Notiz:
Benedikt Hipps Werk ist durch zahlreiche international beachtete Ausstellungen bekannt. Aktuell ist er in der Ausstellung "Blind Faith" im Haus der Kunst München zu sehen. In den letzten Jahren zeigte er museale Einzelausstellungen im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, Kunstverein Bielefeld, Kunstpalais Erlangen oder der Art Basel sowie in viel beachteten Gruppenausstellungen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, CAPC – Musée d'Art Contemporain Bordeaux oder dem Kunstverein Hannover. Benedikt Hipp wurde 2010 in das Lexikon der Gegen-wartskunst aufgenommen. Umfassende monografische Kataloge erschienen 2015 anlässlich der Einzelausstellung im Wilhelm-Hack Museum im Kerber Verlag, 2013 im DISTANZ Verlag zur Einzelausstellung im Kunstpalais Erlangen und 2009 bei argosbooks.

Museum Collections:
Pinakothek der Moderne
Staatliche Grafische Sammlung, München, DE
The Bar Library of Northern Ireland, IE
Departmental Domain Chamarande, FR
Deutsche Bundesbank Sammlung, Frankfurt a. M., DE
Städtische Sammlung Erlangen, DE
Zeppelin Museum, Friedrichshafen, DE














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